Wendehälse

Der Wendehals ist eine vom Aussterben bedrohte Tierart. Er steht deshalb auf der roten Liste. Im Rottweiler Gemeinderat hat er zu seinem Glück ein Biotop gefunden, in dem er überleben kann. Zehn der auf dem Plakat abgebildeten Gemeinderäte waren auch schon am 18. März 2009 Mitglieder des Gremiums. Damals beschlossen sie mit der großen Mehrheit des Gemeinderates (bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung):

"Der Standort Esch ist als Standort für eine Justizvollzugsanstalt ungeeignet."

Wendehälse im Gemeinderat Rottweil

In der vorausgegangenen Debatte erklärte der Fraktionssprecher der CDU, Gemeinderat Hugger, das Esch sei eine Fläche, die weder Ver- noch Entsorgung habe. Sie sei ein "totaler Satellit“. Seine Fraktion sei sich sicher, dass dieser Standort nicht bebaut werden könne. CDU-Gemeinderat Sauter führte aus, es habe sich gezeigt, dass die Bevölkerung mehrheitlich gegen den Standort Esch sei. Dies sei Grund genug, sagen zu können, dass aus Sicht der Stadt Rottweil der Standort "Esch" nicht in Frage komme. Der heutige CDU-Fraktionssprecher Posselt zeigte in seinem damaligen Debattenbeitrag auf, dass die Schulausflüge schon zu seiner Jugendzeit das Gebiet Esch als Ausflugsziel hatten. Für ihn sei klar, dass er das für Rottweil wichtigste Naherholungsziel Esch nicht opfern werde.

Gemeinderat Vogt (SPD) machte ebenfalls deutlich, dass dieses Gelände (Esch) für eine JVA nicht in Frage komme. Gemeinderat Stegmann (Freie Wähler) erklärte in der Sitzung, seine Fraktion wolle einen humanen Strafvollzug, aber auch die Erhaltung des Standortes Esch. Gemeinderat Albrecht schloss sich den Äußerungen der Vorredner an. Bürgermeister Guhl machte deutlich, dass er eine JVA in der Region oder Raumschaft Rottweil wolle, nicht aber am Esch.

Diese Zitate lassen sich nachlesen im Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 18. März 2009.

Am 19.03.2009 gab die Rottweiler Stadtverwaltung eine Pressemitteilung heraus, die u.a. folgenden Text enthielt: Mit großer Mehrheit stimmten die Gemeinderäte für einen Antrag von CDU und SPD, wonach der Standort „Esch“ nicht für den Bau einer Justizvollzugsanstalt geeignet ist. Als Grund gaben Ratsmitglieder den Landschaftsschutz an: Das "Esch" grenzt an das Naturschutzgebiet rund um die Neckarburg an, das auch von vielen Bürgern als Naherholungsziel genutzt wird.

An der örtlichen Situation des Gebietes „Esch“, des Naturschutzgebietes Neckarburg und des Landschaftsschutzgebietes Oberer Neckar sowie der für ihren Schutz sprechenden Argumente hat sich seit dem Jahr 2009 nichts geändert. Gedreht hat sich nur die Meinung der Mehrheitsfraktionen im Rottweiler Gemeinderat, in denen heute noch maßgebliche Mitglieder aus der Zeit des Beschlusses von 2009 den Ton angeben.