Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Neckarburg« vom 23. März 1988 (GBl. v. 30.06.1988, S. 168)

3.162 Neckarburg

Auf Grund voll §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden - württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten zwei Teilflächen auf dem Gebiet der Stadt Rottweil, Landkreis Rottweil werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Neckarburg«

§ 2 Schutzgegenstand

  1. Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 64 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Januar 1986 auf dem Gebiet der Stadt Rottweil, Gemarkung Rottweil, die Grundstücke Flst. - Nrn. 2, 3, 6, 12, 56 - 58, 2638/1, 2639, 2639/2 und FW 4, sowie Teile der Grundstücke Flst. - Nrn. 16, 49/1, 55, 2634/1, 2637/1, 2637/2, 2639/1, Fluß 1 und FW 2.
  2. Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte Maßstab 1:25000 und in einer Karte Maßstab 1:5000 rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg in Freiburg i.Br., beim Landratsamt Rottweil und beim Bürgermeisteramt der Stadt Rottweil in Rottweil auf die Dauer von drei Wochen. beginnend am achten Tag, nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.
  3. Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung, bei den in Abs.2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung von zwei Umlaufbergen des Neckars einschließlich der gegenüberliegenden Hänge im Bereich der Neckarburg als

  • einzigartiges erd - und landschaftsgeschichtliches Dokument;
  • Lebensraum einer für das Obere Neckartal typischen Flora und Fauna mit einer Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten
  • Landschaftsteil von besonderer Schönheit, Eigenart und Vielfalt.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Schädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;
  2. Straßen. Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen. Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;
  3. die Bodengestalt zu verändern. insbesondere Mineralien und Steine abzubauen;
  4. Maßnahmen vorzunehmen. die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;
  5. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern:
  6. Plakate, Bild - und Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;
  7. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;
  8. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen. Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- , Wohn - oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;
  9. die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;
  10. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorbetriebene Schlitten zu benutzen;
  11. Flugplätze anzulegen oder Luftfahrzeuge. einschließlich Hängegleiter und Flugmodelle. zu betreiben;
  12. den Neckar mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren; zulässig bleibt das nicht gewerbsmäßige zügige Durchfahren des Schutzgebietes in Gruppen mit bis sechs Sportbooten sowie das dazu notwendige Umtragen von Hindernissen;
  13. das Grundstück Flst. - Nr. 2639 (Bergle) außerhalb von Wegen zu betreten;
  14. außerhalb von eingerichteten oder gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;
  15. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei in der bisherigen Art. in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang;
  2. für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
    a) das Grundstück Flst. - Nr. 2639 außerhalb der in der Karte Maßstab 1:5000 blau umrandeten Fläche nur als Schafweide genutzt werden darf, wobei keine Düngung, Pferchung oder Koppelhaltung erfolgt; auf der grün umrandeten Fläche ist statt dessen auch eine extensive Rindviehbeweidung zulässig;
    b) die Grundstücke Flst. - Nrn. 2637/2 und 2639/2 außerhalb der in der Karte Maßstab 1:5000 blau umrandeten Flächen nur extensiv beweidet werden dürfen, wobei Pferchung und Koppelhaltung - nicht jedoch Düngung - zulässig sind;
  3. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und dem bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
    a) auf den Grundstücken Flst. - Nr. 49/1 und 55 die bisherige Dauerwaldstruktur auf den erosionsgefährdeten Standorten (felsige und flachgründige Steilhangbereiche) nicht verändert und Waldwegebau nicht durchgeführt werden dürfen; insbesondere dürfen Nadelbäume nicht gepflanzt und nicht gefördert werden;
    b) im übrigen in Laub - und Laubmischwaldbeständen
     - der Nadelholzanteil nicht erhöht werden darf, insbesondere Nadelbäume nur als Ersatz für abgehendes Nadelholz gepflanzt und im übrigen nicht gefördert werden dürfen und
     - Kahlhiebe über 0,2 ha unzulässig sind;
  4. für die Aufforstung nicht bewaldeter Flächen der Grundstücke Flst. - Nr. 49/1 und 55;
  5. für den Bau eines Forstweges auf dem Grundstück Flst. - Nr. 58 südlich der Neckarbrücke;
  6. für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;
  7. für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;
  8. für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Pflegemaßnahmen

Auf den Grundstücken Flst. - Nrn. 2637/2, 2639 und 2639/2 sind außerhalb der in der Karte Maßstab 1:5000 blau umrandeten Flächen insbesondere solche Pflegemaßnahmen gemäß § 5 Ziffer 7 zu dulden, die dazu dienen, die Wacholderheide als Lebensraum licht- und wärmeliebender Blütenpflanzen, Straucharten und einzelstehender, landschaftsprägender Weidbäume zu erhalten und zu fördern.
Soweit Pflegemaßnahmen im Einzelfall enteignende Wirkung haben, ist eine angemessene Entschädigung zu leisten.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.
§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR., den 23. März 1988

DR. NOTHHELFER