Meinungen

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Rückgrat zeigen

Die Stadt Rottweil gibt für ihre Werbekampagne große Summen aus. Ein Landschaftsarchitekt mit hellseherischen Fähigkeiten erklärt, dass die JVA ins Esch umweltverträglich integriert werden kann, obwohl es noch gar keine Pläne gibt. Architekten auch aus dem Ausland werden bemüht, uns zu erklären, wie wichtig die Schaffung eines positiven Raums für die Gefangenen ist.

Nur, was hat das mit dem Standort Esch zu tun?

Tatsache bleibt, dass um die zwölf Hektar große Fläche der JVA eine circa 1,4 Kilometer lange, 5,5 Meter hohe Mauer gebaut werden muss. Dies bedeutet für den Standort Esch, dass entlang des Grundstücks eine 400 bis 500 Meter lange Mauer den einmaligen Ausblick auf die Schwäbische Alb auf Dauer versperrt. Über die Umweltzerstörung und die negative Auswirkung auf Fauna und Flora insbesondere durch die nächtliche Beleuchtung wurde ja schon hinreichend berichtet. Es ist beschämend für die Stadt, wenn bei der 16-seitigen Informationsbroschüre der Stadt Rottweil zum Bürgerentscheid der Bürgerinitiative Neckarburg ohne Gefängnis zusammen mit den Umweltschutzverbänden lediglich zwei Seiten zur Verfügung gestellt werden, obwohl die Bürgerinitiative den Bürgerentscheid überhaupt erst ermöglicht hat. Ist das die versprochene objektive Begleitung des Bürgerentscheids? Wir Bürger der Stadt Rottweil sollten mehr Rückgrat zeigen als zum Beispiel Herr Posselt (Aussage 2009: »Ich werde Rottweils wichtigstes Naherholungsgebiet Esch nicht opfern!«) und seine Wendehals-Stadtratkollegen, die 2009 vehement gegen den Standort Esch gestimmt haben. Wir Einwohner bestimmen, wo in Rottweil die JVA gebaut wird und nicht die Landesregierung. Es ist doch lächerlich, dass zwei Millionen Euro Mehrkosten für die Gründungsarbeiten am Stallberg ausschlaggebend sind, eine Naturidylle zu zerstören. Allein die Grunderwerbskosten für das Esch werden diese Summe wahrscheinlich übersteigen, ganz abgesehen von den Kosten für die Infrastruktur. Die Grundstücke am Stallberg gehören zum größten Teil wohl schon dem Land und die Infrastruktur ist weitgehend vorhanden. Das Land wird bei einer Ablehnung des Standorts Esch bereit sein, die JVA am Stallberg zu verwirklichen.

Eugen Seeger, Rottweil

Opfer auf dem Altar des Profits

Hängt Rottweils Zukunft von der Entscheidung für ein Großgefängnis ab?

Entwicklung und Fortschritt sind eine gute Sache, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht. Wir müssen achtsam mit dem Organismus umgehen, den wir Natur nennen. Das Tragische ist, dass viele Akteure in Regierung, Stadtverwaltung und Gemeinderat sich dessen nicht bewusst sind. Sie ignorieren, dass das gigantische Bauvorhaben Großgefängnis am Rande des Neckartals zwangsläufig zu einer Reaktion in den geschützten Gebieten führen wird.

Es ist mit den Regeln der Nachhaltigkeit nicht vereinbar, wenn die Stadtverwaltung verspricht, den mit dem Bau der JVA verbundenen Eingriff in die Natur dadurch zu kompensieren, dass durch das Neckartal zwischen dem ehemaligen Rhodia-Gelände und der Neckarburg ein neuer Radweg gebaut werden soll. Man kann nicht einen Schaden, den man der Natur zufügt, durch einen weiteren Eingriff in die Natur ausgleichen. Das Vorhaben der Stadtverwaltung dient dem Konsum von Natur, nicht ihrem Schutz. Der Hintergedanke dieses Plans ist der Versuch, Wanderer und Radfahrer von der optischen Katastrophe fernzuhalten, die das Großgefängnis auf dem Esch darstellen würde. Das Neckartal zwischen Rottweil und Sulz ist kein Freizeitpark, in dem man nach Belieben bauen und asphaltieren kann. Es handelt sich um ein nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union geschütztes Gebiet, das zu dem Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehört. Der beabsichtigte Bau des Radwegs würde gegen europäisches Recht verstoßen, da dieser Plan in dem engen Neckartal nur durch massive bauliche Eingriffe zu realisieren ist. Das Flusstal darf in seiner natürlichen Struktur nicht verschlechtert, sondern nur verbessert werden.

Die Natur darf nicht auf dem Altar des Profits geopfert werden. Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen scheitert oft an unserer Gleichgültigkeit oder der Durchsetzungskraft von staatlichen oder privaten Lobbyisten. Der Run auf die Natur setzt sich weltweit fort. Boden ist wertvoll geworden, weil er immer knapper wird. Investoren kaufen landwirtschaftliche Flächen auf. Wer den Boden besitzt, kann irgendwann die Preise für Nahrungsmittel bestimmen. Wir müssen das Esch für die heimische Landwirtschaft erhalten, ebenso die Quellen, die das Wasserwerk Neckarburg speisen.

Auf dem Hofgut Neckartal müssen aus Naturschutzgründen abends zwei Scheinwerfer ausgeschaltet werden, die eine Reitanlage für Kinder beleuchten. Mit welchem Recht kann man in geringer Entfernung von den Schutzgebieten eine riesige JVA nächtlich dauerhaft anstrahlen?

Dieses Projekt soll nach Meinung der Stadtverwaltung großen Gewinn erzielen. Für wen von uns denn? Gerade im Esch stört das Vorhaben alle: Menschen, Tiere und Pflanzen. Aus diesem Grund haben über 2000 Rottweiler Bürger das Bürgerbegehren zum Erfolg geführt.

Aus diesem Grund sind die Rottweiler aufgerufen, am kommenden Sonntag mit Nein zu stimmen.

Mit Untergangsprophezeiungen für den Justizstandort versucht die Stadtverwaltung, den Eingriff in Landschaft und Ökologie zu rechtfertigen. Aber wir können und dürfen den Raubbau an der Natur und unserer Erholungsregion nicht hinnehmen. Diese Natur gehört uns allen. Wir haben sie von unseren Vorfahren geerbt und müssen sie unseren Nachkommen erhalten. Wir müssen endlich anfangen, die Plünderung unserer natürlichen Ressourcen zu stoppen. Nur eine intakte Natur garantiert den Erhalt unserer Lebensgrundlagen.

Eva Kionka-Theobald, Villingendorf

Offener Brief an Ministerpräsident Kretschmann

Sehr geehrter Herr Kretschmann,

mit größtem Entsetzen habe ich die Entscheidung des Justizministeriums zur Kenntnis nehmen müssen, dass das neue Großgefängnis in Rottweil ausgerechnet in das Esch, ein landschaftlich wunderschönes Gebiet, angrenzend an ein Naturschutzgebiet gebaut werden soll. Dies ist umso unverständlicher, als es mit dem Stallberg einen ökologisch weitaus weniger prekären Standort gäbe, welcher mit nur geringem finanziellem Mehraufwand problemlos realisierbar wäre.

Insbesondere bin ich unsagbar enttäuscht darüber, dass so etwas unter einer von den Grünen geführten Regierung mit Ihnen als Ministerpräsident möglich ist. Hier bricht für mich geradezu eine Welt zusammen. Seitdem ich das erste Mal wählen durfte, habe ich IMMER grün gewählt und noch vor der letzen Landtagswahl in emotionalen Diskussionen zahlreiche Freunde und Bekannte umgestimmt.

Ich versichere Ihnen hier und heute, dass ich dies nach dem derzeitigen Stand der Dinge ganz sicher nicht mehr tun werde. Seit meiner Jugend ist mir klar, dass das C bei der CDU leider eher für „conservative” steht als für „christlich” im Sinne der Bergpredigt, und das F der FDP nichts mit dem, was man gemeinhin für Freiheit hält und schon gar nichts mit den meisten philosophischen Freiheitsbegriffen zu tun hat. Spätestens seit den Hartz-IV Gesetzen steht auch das S in der SPD nicht mehr dafür, wofür es einmal stand und stehen sollte. Nun muss ich komplett ernüchtert und frustriert feststellen, dass auch das Grün der Grünen immer weniger grünt.

Auch in anderen Bereichen, erlaube ich mir anzumerken, bin ich von der Regierungspolitik aufs massivste enttäuscht und habe mich zum Teil schon bei den von mir umgestimmten Menschen dafür entschuldigt. Genannt werden soll nicht einmal S 21, sondern vor allem auch die Schulpolitik (z.B. ganze vier Gymnasien in Südbaden bieten G9 an, Sie glauben gar nicht wie viele Grüne oder die SPD wegen G9 gewählt haben), die Gesundheitspolitik mit bereits jetzt oder in naher Zukunft weitgehend „entkrankenhausten”, bald auch „entlandarzteten” Landstrichen (mittlerer Schwarzwald, Allgäu, Region Biberach) oder die Verkehrspolitik (dauernde Debatten um Zugstreichungen, bis jetzt keine wiedereröffnete Eisenbahnlinie abgesehen von Planungen und Gesprächen bzgl. Weil der Stadt-Calw, statt dessen Giga-Liner auf den Straßen statt Güterzügen auf den Schienen) uvm.

Von Ihnen, Herr Kretschmann, kennt man viele Bilder, wie Sie auf der Schwäbischen Alb oder im Donautal wandern und ich nehme Ihnen auch ab, dass Sie das gerne tun. Ich lade Sie ein, mit meiner Frau, meinem zwölfjährigen Sohn und mir den Weg vom Esch hinab zur Neckarburg zu wandern (vgl. „Kretschmann läuft”), den wir schon so oft am Wochenende gegangen sind um die Natur zu genießen und Steinchen in den Neckar zu werfen. Wir können uns dann gerne bei einem Bio-Apfelschorle oder einem Kaffee im neu eröffneten (und bald wohl wieder geschlossenen) Biergarten Neckarburg darüber unterhalten, ob Sie wirklich immer noch der Meinung sind, dass dieses wunderschöne Fleckchen Erde mit einem Großgefängnis (oder mit irgend etwas anderem) überbaut werden sollte. Wir könnten auch darüber nachdenken, wie und ob es ernsthaft sein kann, dass es unter einer grün-geführten Regierung zu solchen katastrophalen Fehlentscheidungen kommen kann bzw. ob solche Entscheidungen wirklich noch mit den Überzeugungen und Idealen kompatibel sind, die damals die grüne Bewegung ins Leben gerufen haben.

Sehr geehrter Herr Kretschmann, ich habe, resigniert wie ich momentan bin, lange darüber nachgedacht, ob es Sinn macht, diesen Bief zu schreiben. Ich denke, zuallererst macht jedenfalls keinen Sinn, ihn nicht zu schreiben. Und wenn es dann irgendwann keinen Sinn mehr macht, gerade einen eigentlich geschätzten Menschen und Politiker wie Ihnen in so einer eindeutigen Situation an seine Ideale, für die und mit denen er angetreten ist, zu erinnern, dann ist wirklich der Sinn und das Bindeglied, das unser freiheitlich-demokratische Gemeinwesen „im innersten zusammenhält”, verloren gegangen. Dieses Bindeglied sind wir Menschen, die wir nach reiflicher Besinnung des „Guten” an diesem orientierte Ideale und Überzeugungen entwickeln, deren Verwirklichung uns „am Herzen liegt” und möglich scheint, und für die einzustehen es sich lohnt, sei es als Bürger, die die Menschen wählen, die diesen Idealen am meisten entsprechen, sei es als demokratisch gewählte Vertreter, von denen mit Recht und Billigkeit erwartet werden kann und darf, dass sie ebenfalls zu diesen Idealen stehen, diese umsetzen und nicht bis zur Unkenntlichkeit verwässern oder im schlimmsten Fall sogar verraten und verkaufen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Matthias Probst mit Sigrun Schnitzer und Marcel

Freizeitzentrum mit Ponyhofidylle

Der OB und die Stadtverwaltung versuchen nun in schöner Regelmäßigkeit durch groß aufgemachte Presseveranstaltungen den Standort Esch den Bürgern schmackhaft zu machen. Da streicht der OB werbewirksam den Grundriss der JVA Offenburg auf einer Luftaufnahme des Esch durch und verkündet, dass durch den Architektenwettbewerb die Gebäude in die Landschaft eingepasst wird und der Landschaftsschutz beachtet wird. Man könnte den Eindruck gewinnen, hier entstehe ein Freizeitzentrum mit Ponyhofidylle.

Tatsache ist aber, dass auch ein Architektenwettbewerb nicht die Sicherheitseinrichtung eines Hochsicherheitsgefängnisses außer Acht lassen kann. Es wird daher wie in Offenburg eine dreiteilige Außensicherung mit Vorzaun, Innenmauer mit Stacheldrahtrolle und Innenzaun rund um die gesamten 120000 Quadratmeter des JVA-Geländes erforderlich sein, die nachts beleuchtet wird. Dies ist der Teil, der von außen den Blickfang bildet und die bisherige idyllische Landschaft verschandelt. Auch die Aussage des von der Stadt bestellten Landschaftsarchitekten, die JVA lasse sich in die Landschaft integrieren, wie in dem Bericht vom 12.08.2015 dargestellt, ändert nichts an der Notwendigkeit der Außensicherung.

Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, dass eine grün-rote Landesregierung mit einem grünen Ministerpräsidenten nicht nur eine Zerstörung der Natur, sondern auch von 120000 Quadratmeter landwirtschaftlicher Erwerbsfläche zustimmt. Ich kann mir lebhaft vorstellen, welcher Aufschrei durch die grüne Landesfraktion gegangen wäre, säßen sie noch in der Opposition.

Eugen Seeger
Rottweil
Einige genauere Details zum geplanten Großgefängnisbau im Esch bei der Neckarburg

Wir bewirtschafteten das Hofgut Neckarburg bei Rottweil mit dem Esch als Pächter des Grafen von Bissingen 40 Jahre lang.

  • In diesem Bereich trat in den 40 Jahren meiner Bewirtschaftung immer wieder an verschiedenen Stellen Quellwasser hervor. Diese Nässestellen waren im Acker bei der Bewirtschaftung lästig und sind es heute noch. Diese Quellen könnten jedoch für die nahe Tiefenquelle des Hofguts Neckarburg und deren Bewohner von großer Bedeutung sein. Ein Gutachten könnte darüber Aufschluss geben.
  • Im Esch müsste man auf ca. 3 ha 15 Meter Höhenunterschiede aufschütten und verdichten, um einen ebenen Baugrund zu erhalten.
  • Eine Infrastruktur ist im Esch nicht vorhanden. Trinkwasser, Abwasser, Strom etc. müssten kilometerweit verlegt werden. Die nächste Sammelkläranlage ist in der Au im Neckartal bei Rottweil. Abwasserleitungen dorthin sind mit 120 Höhenmetern im reinen Fels zu überwinden. Eine eigene Kläranlage für das Großgefängnis wäre auch mit hohen Unterhaltungs- und Entsorgungskosten verbunden. Als Probenehmer für Trinkwasser und Abwasser für die Fa. www.agrolab.de in Baden Württemberg als Rentnerjob kenne ich mich da aus.
  • Eine breite Zufahrtsstraße von der B 14 mit Waldrodung müsste gebaut werden. Auch eine Verlegung des Zufahrtsweges zum Hofgut in den Bereich der dort angrenzenden Wasserschutzzone wäre erforderlich. Diese Wasserschutzzone betrifft die Quellen für den "Zweckverband Oberer Neckar/Neckarburg" im Neckartal. Der Zweckverband liefert vielen Ortschaften um Rottweil herum ein sauberes Trinkwasser (12 Ortschaften mit ca. 12.500 Einwohnern). Auch hierfür wäre ein Gutachten erforderlich.
  • Der Neckartalradweg von Schwenningen nach Mannheim führt durch das Gelände der Neckarburg und direkt am Esch vorbei. Dort auf der Höhe hat man einen herrlichen Blick auf die Schwäbische Alb. Es wäre ein Jammer, wenn der durch eine meterhohe Mauer verbaut würde. Das Gebiet Neckarburg ist der schönste Teil des Oberen Neckarraumes. Viele Veranstaltungen fanden und finden auf dem Hofgut und in der St. Michaelskapelle nahe der Burgruine statt, wie Familientreffen, Hochzeiten, Taufen, Kirchenfeste, Lions Club Treffen, Weihnachtsmarkt etc. Die Besucher dieser Veranstaltungen müssten alle an der langen, 5.5 Meter hohen Betonmauer vorbeifahren.
  • Da das Esch sich in Privatbesitz befindet und nicht Eigentum des Landes oder der Stadt ist, müsste es erst gekauft werden.

Es gibt noch andere Besonderheiten auf der Neckarburg: In den 1970er Jahren wurde hier eine landwirtschaftliche Maschine für die pfluglose, nichtwendende und konservierende Bodenbearbeitung konstruiert und entwickelt. Diverse Firmen in Baden-Württemberg haben diese Idee aufgenommen. Der Ackerboden bleibt in seiner natürlichen Schichtung. Die Pflanzenrückstände wie Stroh, Stoppeln werden oberflächennah eingearbeitet. Somit wird das Bodenleben aktiviert, die Erosion verhindert und Nährstoffe gelangen nicht ins Grundwasser. Nach diesem System werden ca. 50% der Ackerflächen inzwischen in Deutschland pfluglos bewirtschaftet.

Fam. Claus Lutz, Villingendorf

Prestige um jeden Preis

Ohne Respekt und Verantwortung für Landschaft, Natur und Umwelt.

Es wäre schon ein Witz oder ein Artikel für das Geschichtsbuch, wenn die erste grün-rote Landes-
regierung in BW mit einem grünen Ministerpräsidenten als sogenannte " Bürgerregierung " ohne
Ethik ihre Entscheidung vor der Sommerpause zu Gunsten der JVA im Esch treffen würde. Ein
sonderbarer Werteverfall bei den Grünen. Ist der Blick schon auf die Landtagswahl im März 2016
und auf Macht und Mandate gerichtet?

Überdies geht es hier je nach Adressatenkreis um Gesamtkosten in einer Bandbreite von 80 - 120 Mio €
und um nichts anderes als unsere Steuergelder. Wenn sich Rottweil über Generationen hinweg von
diesem Neubau so viel verspricht, dann gehört die JVA nach Rottweil, aber nicht an die Peripherie in
einzigartiger Natur vor die Haustüre der Nachbargemeinden. Bei einem Großprojekt in dieser Dimension
sollte sich die Stadt Rottweil von der Landesregierung nicht vorführen oder durch deren Fokussierung
gar erpressen lassen. Der Stil und Auftritt der Landesvertreter bei der Bürgerversammlung war für mich
unqualifiziert und von keinem ansprechenden Niveau.

Strafvollzug soll "zeitgemäß" und "modern" sein, aber im gleichen Zug wird keine "zeitgemäße" Demokratie
praktiziert. Bürgerrechte dürfen in diesem Fall nicht eingeschränkt und die Bürger nicht bevormundet wer-
den. Vielen Bürgern ist die weitreichende und relevante Entscheidung über Generationen hinweg bewußt,
sodass ein Bürgerentscheid keinesfalls billigen Argumenten weichen darf. Dieses panikartige Agieren der
Kommune mit dem Argument Zeitdruck, für einen Standort, an dem weiß Gott keiner eine JVA will, führt
zu der absolut schlechtesten Lösung. Ich kann da nur die Aussage von Emil Ebenhoch in seinem Leser-
brief vom 10. Juli bekräftigen. Natürlich ist eine Position im Haushalt (angebliche Zuweisung über 400 T€
brutto) nicht unwichtig, aber Finanzen kann man kompensieren, ein Großgefängnis als Jahrhundertmonster
nicht. Ein aktives und professionelles Management in Sachen Wirtschaft, d.h. Wirtschaft fördern und
akquirieren, wäre langfristig die weitaus bessere Alternative für die Stadt. Gegen den unverantwortlichen
"Wahnsinn" Flächenverbrauch gibt es eben nur die alternative Konversionsfläche und die ist in Meßstetten
vielleicht sogar als sogenannte maximale Konversion reichlich vorhanden.

Ewald Maier
Villingendorf

Werbemogelpackung die nächste

Langsam glaube ich wirklich, die JVA-im-Esch-Befürworter möchten die Bürger für dumm verkaufen. Jetzt versucht man allen Ernstes, uns Äpfel für Birnen unterzujubeln. Auf der Werbeplattform www.jvarottweil.de wurde eine neue Rubrik eingeführt: Gefängnis der Zukunft. Mit schönen Beispielen, wie weit man im Ausland im Strafvollzug bereits ist.

1)    Justizzentrum Leoben, Steiermark, Österreich

Wow. Das Bild der Werber zeigt eine außergewöhnliche Architektur. Ganz ohne Stacheldraht. Moment mal. Der dritte Link der Liste http://de.wikipedia.org/wiki/Justizzentrum_Leoben bringt Licht ins Dunkel. Dort gibt’s dann auch das unvermeidliche Foto mit Betonmauer und Stacheldraht sowie unverfälschte Information. Der vordere, schönere Teil ist für das Landgericht, Bezirksgericht, Gerichtliche Gefangenenhaus und für die Staatsanwaltschaft.

Der der hintere, der Gefängnisteil ist für den Vollzug von Untersuchungshaft sowie Strafhaft bis zu 18 Monaten Gesamtdauer konzipiert. Dabei haben die Österreicher einen großen Denkfehler begangen. Mit max. 205 Häftlingen ist diese JVA nicht einmal halb so groß wie die, die im Esch geplant ist. Für eine erfolgversprechende Resozialisierung braucht man aber die viel größere Anlage. Sagen die Vertreter unserer Justiz. Das habe ich bisher geglaubt. Diese Beispiele aus dem Ausland bringen mich aber zum Zweifeln. Was ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte, wo in der Steiermark die Schwerverbrecher mit mehr als 1.5 Jahren Haft untergebracht werden.

Nebenbei bemerkt: diese JVA liegt IN Leoben. Schokoladenseite Richtung Altstadt. Ginge in Rottweil ja auch. Beispielsweise dort, wo das aufgegebene Milchwerk steht. 100% Konversion.

2)    Halden, Norwegen

Für 252 Mio. U$D auf einem 30 Hektar großen, bewaldeten Areal. Das zweitgrößte Gefängnis in Norwegen – für 252 Insassen. Halb so groß wie das bei der Neckarburg geplante. Also auch wieder zu klein für eine ordentliche Resozialisierung – oder eben nicht! Aber in Norwegen leben auch nur 13 Einwohner pro km². Bei uns 227.

3)    Eisenstadt, Österreich

Noch kleiner als Leoben: max. 163 Häftlinge. Auch hier bis 1.5 Jahre und mitten im Ort.

4)    Korneuburg, Österreich

180 Insassen, Außenstelle Stockerau für 60 Insassen. Mitten im Ort, für Haftstrafen bis 1.5 Jahre.

Was hat das alles mit der JVA zu tun, die bei der Neckarburg gebaut werden soll? Ich würde sagen: es handelt sich bei dieser neuen jvarottweil.de-Rubrik um eine bewusste Irreführung, Schönfärberei und um eine Täuschung durch die Befürworter.

Martin Ruof

Geograph Dr. Kühn und R. Ulmschneider appellieren an den Ministerpräsidenten

Möglicher Rottweiler JVA-Standort "Esch" bei der Neckarburg

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

das Gebiet um die Neckarburg ist einer der bemerkenswertesten Orte in unserer Region, mit exemplarisch weltweiter Bedeutung aus geomorphologischer Betrachtung.

Neben Schwarzwald, Alb-Donau und Bodensee-Hegau ist das Land am Oberen Neckar in letzter Zeit immer mehr ins Blickfeld geraten. Tief eingeschnitten arbeiten sich der Neckar und seine Nebenflüsse durch diese Nahtstelle zwischen den beiden Gebirgszügen Schwarzwald und Schwäbische Alb. Genau hier ist es möglich, beinahe die gesamte Erdgeschichte an einem Tag zu durchwandern, vom Granit unten in Schramberg bis zum Malm, dem weißen Jura um Gosheim.

Diesen geologischen Aspekt haben auch die Universitäten Tübingen, Stuttgart-Hohenheim und Freiburg erkannt: Exkursionen und Seminare führen an diese konzentrierte Stelle der schwäbischen Schichtstufenlandschaft. Herzstück ist die Gesteinsschicht des Muschelkalkes, eingebettet innerhalb der Trias zwischen Buntsandstein und Keuper. Er setzt dem Neckarlauf so viel Widerstand entgegen, dass der Neckar seinen Weg stark mäandrierend nach Norden suchen muss. Daraus ergibt sich wie aus einer sehr seltenen Laune der Natur heraus das Phänomen der Umlaufberge, die hier in der Gegend um Rottweil entstanden und weiter im Entstehen begriffen sind. Im besonderen Falle des Umlaufbergpaares Neckarburg
und "Bergle" stehen sich die Formationen exakt gegenüber, was sie lehrbuchhaft exemplarisch macht. Ein ausgeprägtes Landschaftsbild ist die Folge, beliebt für Naherholung, Radfahrer und Touristen.

Von der ästhetischen Wahrnehmung einmal abgesehen hat diese geomorphologische Besonderheit weitreichende Folgen für Flora und Fauna. Eine Vielzahl von ökologischen Nischen ist so in diesen Flusswindungen entstanden: Warm-sonnige und Schatten-kühle Prall- und Gleithänge reihen sich dicht aneinander mit ihren artenreichen Trockenrasenhängen, Wacholderheiden, Feuchtwiesen, Felsflühen, Hangkerben mit Schuttströmen, sich selbst überlassenen Steilhängen und dies bei sanfter Beachtung von Bodennutzung und Naturschutz.

Diese vorhandene Vielfalt hat schließlich zu der Europaklassifizierung Fauna-Flora-Habitat geführt. Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiete reihen sich in dichter Folge aneinander. Diese Einzigartigkeit gilt es zu erhalten. Wie ehedem gutbürgerliche Gastgeber ihre vornehmen Salons nicht mit sperrig möblierten Vorräumen entwerteten, verlangt dieser Glanzpunkt am oberen Neckar eine respektierte Pufferzone am unmittelbaren Rand als Abgrenzung zu den besiedelten Flächen der Nachbargemeinden. Felder, Wiesen und Waldsäume eben wie das gesagte "Esch" gehören untrennbar dazu. Für das Landschaftsbild sowieso, aber noch viel bedeutsamer wird dieser Schutzraum für akut bedrohte Tier- und Pflanzengesellschaften, besonders für die so genannten Kulturflüchter, die unsere Rücksichtnahme dringend benötigen. Der Bau der Justizvollzugsanstalt im "Esch" bedeutete den verhängnisvollen Beginn der nachhaltigen Zerstörung eines unwiederbringlichen Zustandes des Schatzkästleins Neckarburg.

Wir bitten Sie, Ihre schützende Hand über diese Landschaft zu halten.

 

Ich habe einen Traum

Nicht, dass ein neues Gefängnis nicht notwendig wäre. Das wäre, leider, Illusion.

Aber ich sehe, dass die schöne Stadt, in der ich leben darf, seit Jahrhunderten liebevoll gepflegt und erhalten wird - und ich habe einen Traum: Dass wir mit dem Umland unserer Stadt ebenso liebevoll umgehen.

Ich sehe die Schönheit der Landschaft um Neckarburg und Esch - und ich habe einen Traum: Dass die Entscheidungsträger in Stadt und Land erkennen, wie schon der Gemeinderat vor Jahren, dass sie nicht durch einen Zweckbau verstellt werden darf.

Ich sehe, wie groß die Versuchung ist, Landschaft als Baugrund zu verwerten - und habe einen Traum: Dass uns wenigstens die schönsten Landschaftspartien erhalten bleiben.

Ich sehe: Wir leben in einer höchst reizvollen Region, aber Neckarburg und Esch zählen zu den ganz großen Glanzpunkten in Rottweils Umgebung - und ich habe einen Traum: Dass Rottweil die drohende traurige Berühmtheit erspart bleibt, dieses besondere Gut aufgegeben zu haben.

Ich sehe, es gibt Dinge, die wir nicht vervielfältigen können, und habe einen Traum: Dass wir Einmaliges erhalten.

Ich sehe, dass Rottweil bis heute umsichtig verwaltet wird - und ich habe einen Traum: Dass es auch ohne ein Gefängnis eine wirtschaftliche Zukunft hat, wenn es den richtigen Standort nicht hat oder nicht finden kann.

Ich sehe, wie schwer die Standortsuche ist - und ich habe einen Traum: Dass der geeignete Bauplatz für das Gefängnis noch gefunden wird.

Die Zeit für das Esch ist reif - dafür, dass wir es schützen.

Pius Löcher, Rottweil

Arbeitsplätze sichern…!!!???

Der Fisch ist geputzt, so scheint es, glaubt man den vielen Berichten der lokalen Presse und den Meinungen in den Bürgerversammlungen zum Thema Großgefängnis auf dem Esch. Nein, ich glaube das nicht, denn ein letzter Funke Demokratieverständnis steckt immer noch in mir.

Zum einen die Haltung der Herren Broß, Guhl und Co., zum anderen die vieler Stadträte, denen vor gerade mal 6 Jahren das Esch als bedeutendes Naherholungsgebiet für Rottweil und Umgebung unantastbar schien und heute „da sich die Verhältnisse ja schließlich geändert haben“ sich nicht mehr um die eigene Meinung von gestern interessieren. Was hat sich denn geändert?

Das Naherholungsgebiet und dessen (Lebens-)Wert sicherlich nicht.

Den letzten beißen die Hunde! Dieses Prinzip scheint nun mit gewaltigem Nachdruck angewandt zu werden mit allen Hebeln einer Scheindemokratie! Warum wurde eine demokratische Bürgerbefragung abgelehnt? Ist es Angst, Arroganz oder einfach Basta-Politik? In Zeiten in denen die Landesregierung Bürgerbeteiligung, Offenheit und Transparenz ganz groß geschrieben hat, wird hier das Gegenteil gemacht und dazu noch eine Drohkulisse aufgebaut. Und ganz bestimmt fragen sich alle wieder nach der nächsten Kommunalwahl, warum die Wählerbeteiligung so grottenschlecht war.

Gebetsmühlenhaft wird betont, dass durch das neue Großgefängnis 250 neue Arbeitsplätze (bisher war von über 300 die Rede!) entstehen. Klar wollen wir alle das, aber wollen wir es um jeden Preis? Ich frage mich auch hier: Rottweil ist eine typische Schulstadt mit 5 Gymnasien. Warum hat die Stadt schon vor vielen Jahren die Schaffung von Fachhochschule oder BA verschlafen? Selbst der Wegzug eines Lehrerseminars ist nicht verhindert worden.

Warum haben die Verantwortlichen damals nicht mit der Energie gekämpft, mit der heute um das Gefängnis gekämpft wird! Alle Umlandstädte wie Sigmaringen, Balingen, Albstadt, Tuttlingen oder Schwenningen haben diese Hochschulen inzwischen, ja sogar das kleine Horb. Dies wären dutzende Arbeitsplätze gewesen und die Studenten hätten Leben in die Stadt gebracht – wirtschaftlich und kulturell.

Hans-Peter Schwarz, Dietingen

Die TED-Umfrage des Schwarzwälder Boten (25.03.15)

Das Ergebnis der TED-Umfrage des Schwarzwälder Boten zu einem möglichen Großgefängnis in Rottweil war jedenfalls eindeutig:

     für die JVA     gegen die JVA 
Anzahl Stimmen:    758    1483 
in Prozent:   33,8 %    66,2 % 

Aus technischen Gründen konnten ca. 70 Stimmen entsprechend 3 % nicht gezählt werden. Das ändert an der Aussage allerdings nichts.

Der Amtsschimmel „JVA“, soll er weiterreiten?

Hinweis an die Redaktion zur TED-Umfrage. Zur Frage „Wollt ihr ein Gefängnis in Rottweil“ hätte man der Transparenz wegen die jeweiligen Standorte explizit bezeichnen müssen, da diesbezüglich allein schon eine sehr unterschiedliche Bürgermeinung herrscht.

Lächerlich was hier abgeht. Man muss erfahren, dass die damaligen Gutachen von 2008 etc. gar keine richtigen Gründungsgutachten sind, auf Grund derer der Standort Stallberg eigentlich zu Unrecht aus dem Rennen zu sein scheint.

Ich gönne den Rottweilern ja durchaus ein Gefängnis - an dem seit Jahrzehnten im Nutzungsplan ausgeworfenen und allgemein akzeptierten Standort Stallberg. Es spielt auch keine Rolle , wer in den letzten 30 Jahren am meisten geschlafen hat. Tatsache ist, dass es mittlerweile auch neue Gesetze gibt, wonach man landesweit auf brach liegende Industrie- und Gewerbeflächen oder ähnliche, wie stillgelegte Kasernen und dgl. zurückzugreifen hat, bevor man Natur- oder landwirtschaftliche Flächen für derartige Großobjekte wie die geplante JVA zu Nichte macht, was einer Rechtsbeugung gleich käme, und was gerade ein Justizministerium wissen müsste. Bitzwäldle, Esch, und Hochwald müssten unter diesem Gesichtspunkt von vornherein ausscheiden. Wenn nicht, dann wird man mit weiterhin massivem Widerstand, möglicherweise auf juristischer Ebene rechnen müssen. Bitzwäldle, ein nahezu naturbelassenes Gelände vor der Haustür einer kleinen Gemeinde. Gebiet „Esch“ (großflächig landwirtschaftlich genutzt), umgeben von Naturschutzgebieten, kommt im Zuge der Erstellung des „Römerturm“ eine ganz neue Bedeutung für Rottweil und seine Umgebung hinzu, nur einen Steinwurf entfernt vom zauberhaften Zugang des Neckartal Wander- und Fahrradweges im Bereich Neckarburg, der durch einen Gefängnisneubau dort erheblich „verschandelt“ würde. Das will man aufs Spiel setzen? Ganz zu schweigen von den verbrecherischen Eingriffen auf dem Hochwald, einem kleinen Weiler mit seiner ursprünglichen landwirtschaftlichen Bauernidylle, weit sichtbar in alle Richtungen.

Liebe „Rottweiler“! Ihr solltet deshalb endlich dem Treiben ein Ende machen und dem Land zeigen, dass ihr einen „Hintern in der Hose“ habt und unmissverständlich den Reitern im Justizministerium zu verstehen gebt, dass es allenfalls einen Stall für den JVA-Schimmel auf dem Stallberg gibt. Ansonsten soll er eben weiterreiten. Punkt-Ende!

Werner Haag
Leserbrief zur TED-Umfrage
Stellungnahmen der Gemeinden
Der Acker an der Autobahn

Der "Acker an der Autobahn"

... so wurde offenbar das von der Rottweiler Stadtverwaltung und der Mehrheit des Gemeinderates vorgeschlagene Grundstück von Oberbürgermeister Broß in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom 22.04.2015 bezeichnet. Was für eine Geringschätzung!

Hierzu ein Leserbrief an den Schwarzwälder Boten, gedruckt am 24.4.2015 zusammen mit einem Bild von Rottweiler Bilder:

„Ackerflächen von geringer naturschutzfachlicher Wertigkeit“

Getreidefeld im Esch

Im Zuge der Priorisierung des Gefängnisstandorts Esch/Neckarburg hat das Land darauf hingewiesen, dass sich der Standort zwar in der Nähe zum Naturschutzgebiet befindet, es sich aber um „Ackerflächen von geringer naturschutzfachlicher Wertigkeit“ handelt. Als Pächter und Bewirtschafter der Fläche möchte ich diese Aussage kommentieren:

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (bmub.bund.de) werden täglich 73 ha Fläche (104 Fußballfelder) als Siedlungs- und Verkehrsfläche ausgewiesen, also zugebaut. „Flächenverbrauch ist ein schleichendes Phänomen. Bürger und selbst politische Entscheidungsträger nehmen es kaum wahr. Daher mangelt es weithin am nötigen Problembewusstsein“, so das Ministerium. Boden ist aber eine endliche Ressource, d.h. Boden kann nicht vermehrt werden. Diese Tatsache ist in unserer wachstumsorientierten Gesellschaft noch nicht angekommen. Das Bundesministerium weist darauf hin, dass Flächenverbrauch „vielfach wertvolle (Acker-)Böden vernichtet. Ländliche Gebiete werden zersiedelt“. Was für ein Gegensatz zur grün-roten Regierung, die im Fall Esch/Neckarburg von einer „geringen naturschutzfachlichen Wertigkeit spricht“.

Vom Abstrakten zur konkreten Ackerfläche am Standort Esch/Neckarburg: Diese Fläche wurde bisher im Zuge einer 4-gliedrigen Fruchtfolge bewirtschaftet und durch das baden-württembergische MEKA Programm (Marktentlastung- und Kulturlandschaftsausgleich) gefördert. Betrachtet man den Weizenanbau auf dieser Fläche bei durchschnittlichem Ertrag, Ausmahlung des Getreides und den pro Kopf Verbrauch, werden davon mehr als 1200 Menschen ernährt. In diesem Jahr wird Hafer angebaut. Mit dem Ertrag lassen sich über 100000 (!) Päckchen Haferflocken (à 500g) erzeugen. Weizen und Hafer werden in regionalen Mühlen verarbeitet. Würde man die Biomasse dieser Fläche in einer Biogasanlage „verstromen“, so könnten etwa 70 Vierpersonenhaushalte ein Jahr versorgt werden.

Bei dem vorgesehenen Flächenverbrauch wird es aber nicht bleiben. Kommt das Gefängnis auf die Neckarburg, braucht es natürlich Ausgleichsmaßnahmen. Anders als bei einer Konversionsfläche handelt es sich hier um einen Eingriff in den Naturhaushalt und muss daher mit weiteren Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und damit auch Fläche ausgeglichen werden, zum Wohl der Natur selbstverständlich – was für eine grandiose gesetzlich-ökologische Heuchelei.

Landwirtschaftliche Produktion ist Nahrungsgrundlage für Menschen, allerdings auch Wirtschafts- und Lebensgrundlage für den Landwirt mit Familie. Muss man heutzutage in unserer Gesellschaft wenigstens Gelbbauchunke, Feldhamster, Juchtenkäfer, Mopsfledermaus usw. nachweisen, oder genügt es auch einfach Nahrungsmittel herzustellen, um wahrgenommen zu werden?

Jürgen Müller, Villingendorf

Bauvorhaben JVA im Esch

Zum wiederholten Mal seit 2009 muss sich die Kreis- und Ortsgruppe des BUND dem Bauvorhaben Justizvollzugsanstalt im Esch klar entgegenstellen.

Was hat sich denn an den Argumenten von damals geändert? Nichts! Oder doch?

Wir hören zunehmend beängstigende Nachrichten bei der ökologischen Bestandsaufnahmen: starker Rückgang der Artenvielfalt, Insektensterben, besonders bei Schmetterlingen und Bienen. Schuld daran sind neben anderen Faktoren die ständige Auseitung von Siedlungsflächen für Wohnen und Industrieansiedlung, Bodenversiegelung, intensivierte Landwirtschaft bei schrumpfenden Flächen.

Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, diesem verhängnisvollen Prozess Einhalt zu gebieten. Dann sollte man bitte damit auch beginnen!

Zwölf Hektar in bisher unberührtem Raum, dazu der immense Erschließungsaufwand und dies zu allem Übel in direkter ästhetischer sowie ökologisch struktureller Nachbarschaft mit Fauna-Flora-Habitat, Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiet.
Ganz abgesehen vom Verlust einer gut bewirtschaftbaren Ertragsfläche für die Landwirtschaft, verlöre diese Perle des oberen Neckartales eine überlebenswichtige Pufferzone in allen Belangen.
Vielleicht noch etwas fürs Herz: Das Wohlgefühl des Spaziergängers beim Betreten der zur Alb hin geneigten Hochfläche und dann ein wie mit dem Zauberstab sich öffnendes Amphitheater der Umlaufberge mit seinem reizenden Muster aus Naturbelassenem und Kultiviertem.

Was wollte man mehr erwarten? Selbst die Autobahnbrücke neigt sich elegant vor diesem wunderbaren Ensemble. Lasst diesen Ort wie er ist! Wir haben nicht mehr viel dergleichen!

BUND Kreis- und Ortsgruppe
Reinhold Ulmschneider, Rottweil

Die "Rose von Jericho" - und der Bau des Großgefängnisses am Stallberg

Die Rose von Jericho ist eine Pflanze die jahrzehntelang in der Trockenheit der Wüste als vertrocknetes Stück Verdorrtheit vom Wind hin und her geblasen wird, bis sie eines Tages ein kurzer Regenschauer zum Ergrünen, zum Quellen bringt. Geradeso verhält es sich im übertragenen Sinn mit dem Quellton am Stallberg.

Für die Ministerialen in Stuttgart wird nun nach über 30 Jahren ernsthaft als neue Erkenntnis Ihrer Überlegungen bekannt gegeben "Quellton quillt, wenn zusätzlich neu Wasser hinzukommt und durch Tiefaushub Ballast entfernt wird." Seit Urzeiten ist dies bekannt. Als Ergebnis 30 Jahren „emsigen“ Brütens in Stuttgart soll dies nun tatsächlich als Grund herhalten, um für das seit 30 Jahren in Planung befindliche Großgefängniss einen anderen Bauplatz zu finden ?!

Kaum zu glauben, dass gesunder Menschenverstand so verschütt gehen kann!

Schon Kleinkinder wissen, was zu tun ist, damit man nicht nass gemacht wird.

Man steht unter. Man benützt einen Regenschirm oder einen Regenmantel. Man deckt den vor Nässe zu schützenden Bereich mit Folien, mit Dichtungen ab. So banal es klingt, so einfach ist es! Jedem Häuslebauer ist bekannt, dass er seinen Keller gegen versickerndes Oberflächenwasser sichern sollte. Bei Deponien z.B. wird die Sohle abgedichtet, damit Sickerwasser nicht dorthin gelangen kann, wo es Schaden anrichtet. Bei jedem Fischteich, jedem Gartenbiotop oder auch Staubecken wird durch Sohldichtungen verhindert, dass Wasser in den Untergrund gelangt, usw.,usw.

Und beim Bau des Großgefängnisses am Stallberg soll es nicht möglich sein, den Untergrund - sprich den Quellton - gegen eindringendes Sickerwasser durch entsprechende Sohlabdichtungen, die einfach zur Prim hin zu entwässern sind, zu schützen und durch abgestimmten Erdaushub am Quellen zu hindern?

Lassen wir es uns tatsächlich gefallen, dass dieses Großgefängniss in eine der schönsten Gegenden von Rottweil, hinein in ein Naherholungsgebiet besonderer Güte geknallt wird,  unmittelbar an ein Naturschutzgebiet höchsten Ranges und zudem auch noch direkt an ein Wasserschutzgebiet?

Schämen wir Rottweiler uns eigentlich nicht, dass gegen einen solchen himmelschreienden Unfug und derart katastrophale Ignoranz von Emotionen nur die Villingendorfer aufstehen! Wo sind die "Traditions-" und "Heimatvereine" der Stadt, wo die Natur- und Landschaftsschützer, die gegen ein solch unmögliches Unterfangen endlich öffentlich Position beziehen, endlich aufbegehren !! Aber auch die Zimmerner müssten wissen, was sie an der Neckarburg haben. Und auch die Dietinger! Bitte lasst nicht zu, dass hier die eiskalte Gefühllosigkeit von Pragmatiker ohne Not zerstören kann, was ein Teil unserer Identifikation ist. Heimat nämlich!

Gustav Dorn

Verdrehte Argumente

Verdrehte Argumente

Großgefängnis richtet am Esch höheren Schaden an
Betrifft: Leserbrief »Meßstetten viel zu weit weg« von Donnerstag, 23. April 2015

Es ist schon erschreckend, wie in der Öffentlichkeit Argumente verdreht werden, indem wesentliche Teile der Realität ausgeblendet werden, und wie damit Stimmung gemacht und die Meinung verfälscht werden soll. Leider kann ich dies nicht unwidersprochen stehen lassen.

Mit dem Natur- und Umweltschutz zu argumentieren, wie es vor wenigen Tagen in Rottweil zu lesen war, und sich dabei nur auf zusätzlich entstehenden Straßenverkehr zu kaprizieren, ohne die ganzen anderen Bereiche wie Artenschutz, Beeinträchtigung von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutz, Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Bodenschutz und Bodenversiegelung zu nennen, kann man wohl nur mit einer bestimmten beengten Sichtweise tun, die mir so vorkommt, wie der Blick aus einer Gefängniszelle ins Freie, wo man auch nur einen kleinen Ausschnitt der Welt sieht.

Der Bau des geplanten Großgefängnisses am Standort Esch ist bei weitem ein größerer Umweltschaden, jetzt und in die Zukunft projiziert, als der Bau am Standort Meßstetten in der ehemaligen Kaserne. Fast mag man dem Autor zurufen: »Schuster, bleib bei Deinen Leisten.« Ich äußere mich auch nicht über die Arbeitsumstände von Justizvollzugsbeamten. Die in der angesprochenen Verlautbarung wiedergebene Meinung ist alt, sehr alt, sie atmet den Geist der 1970er-Jahre.

Genau so einen Geist braucht man in den entscheidenden Gremien und an den entscheidenden Positionen, auch in Stuttgart, um diese veraltete Idee über Jahrzehnte zu konservieren, und entgegen aller Erkenntnisse über die Umweltrelevanz heute noch so zu vertreten, wie sie damals geboren wurde. Diese Denkweise ist wahrscheinlich auch wesentlich verantwortlich dafür, dass das Suchdreieck von Beginn an ohne Not so eng und viel zu eng definiert wurde. Wenn ich das geplante Großgefängnis unbedingt in Rottweil realisieren wollte, würde ich, wenn ich an entscheidender Stelle säße, das Suchdreieck genau so eng festlegen, um einige konkurrenzfähige und umweltverträgliche Standorte auszuschließen, um somit die Chancen für den Standort Rottweil drastisch zu erhöhen.

Die Hinzunahme des Standortes Meßstetten ist eine noch viel zu geringe Korrektur dieses Geburtsfehlers des Standortsuchlaufes.

Dr. Jürgen Kühn, Rottweil

Gefängnisneubau

Nachdem sich die Landesregierung von Baden-Württemberg in der vergangenen Woche positioniert hat und als einzigen verbleibenden Standort auf der Gemarkung Rottweil das nahe der Neckarburg liegende Gebiet „Im Esch“ für den Bau des geplanten Großgefängnisses genannt hat, fühlen wir uns als Umweltschutzgruppe Villingendorf verpflichtet, wie schon 2009 Stellung zu beziehen und diesen Standort ganz entschieden abzulehnen.

Die Umweltschutzgruppe Villingendorf setzt sich seit nunmehr 30 Jahren aktiv für den Schutz der Natur ein und möchte die Landschaft in der engeren und weiteren Umgebung von Villingendorf naturnah und für nachfolgende Generationen lebenswert erhalten. Deshalb ist es für uns ganz unverständlich, dass in einem völlig intakten landwirtschaftlich genutzten Gebiet, das zudem noch direkt an ein Naturschutzgebiet grenzt, ein derart zerstörerischer Eingriff vorgenommen werden soll.

Können wir es als Gesellschaft verantworten, in unserer näheren Umgebung ein Kleinod durch den Bau eines riesenhaften Gebäudes zu vernichten? Denn machen wir uns nichts vor, sollte das Großgefängnis an dieser exponierten Stelle wirklich gebaut werden, würde auch das angrenzende Naturschutzgebiet darunter leiden. Flächenversiegelung, Dauerbeleuchtung, usw., all dies hätte negative Auswirkungen auch auf Flora und Fauna des Naturschutzgebietes und die weitere Umgebung.

Und Rottweiler, Villingendorfer und viele andere Erholungssuchende hätten ein ganzjährig nutzbares Ausflugs- und Wandergebiet in einer einzigartig schönen Landschaft weniger. Wir wünschen und hoffen, dass sich die grün-rote Landesregierung an ihren eigenen umweltpolitischen Zielen orientiert und intakte Landschaft intakt lässt, wenn es Konversionsflächen als Alternativen gibt.

Umweltschutzgruppe Villingendorf

Kein Grossgefängnis vor der Neckarburg!

Der Rottweiler Gemeinderat hat 2009 fast einstimmig, mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung, das „Esch“ als Standort für das geplante Grossgefängnis abgelehnt. Die wichtigsten Gründe dafür waren: scharfer Protest aus der Rottweiler Bevölkerung und den umliegenden Gemeinden, weil unser schönstes Naherholungsgebiet an der Neckarburg massiv davon betroffen wäre. Zudem grenzt der diskutierte Baugrund dort direkt an ein Naturschutzgebiet und ein Landschaftsschutzgebiet mit seltenen Pflanzen- und Tierarten, die ebenfalls nachhaltig darunter leiden würden. So besagte es damals eine Stellungnahme vom Naturschutzverband NABU zum geplanten Grossprojekt. Seit 6 Jahren hat sich daran nichts geändert.

Am Samstag, den 14. April, lese ich im Schwarzwälder Boten mit Entsetzen, das „Esch“ sei laut Bürk, Bross und Guhl der am besten geeignete Standort fürs Großgefängnis.

Für die nicht Ortskundigen: Wo liegt das Esch eigentlich?

Zweigt man von der B14 in das schmale Strässchen zur Neckarburg ein, kommt man unmittelbar nach dem letzten Wäldchen auf eine freie Hochfläche, die seit vielen Jahren landwirtschaftlich genutzt wird. Von dort hat man nach Osten einen herrlichen Blick auf die Schwäbische Alb. Hier, direkt am Neckartalradweg, liegt rechter Hand das Esch, das dem Grafen von Bissingen gehört. Es reicht bis fast an die Kante des Neckartales, wo die Strasse steil zum Hofgut Neckarburg abfällt.

Diese weite Fläche reicht für den Bau des Grossgefängnisses aber nicht aus. Es muss, nach einer städtebaulichen Studie von Engelmann aus dem Jahr 2009, zusätzlich Wald gerodet werden. Denn die JVA (Justizvollzugsanstalt) soll etwa die Grösse der JVA Offenburg bekommen, das bedeutet: eine Fläche von 120.000 qm, so gross wie 17 Fussballfelder, umgeben von einer 1400m langen und mehr als 5m hohen Betonwand. Die wird natürlich aus Sicherheitsgründen 365 Nächte im Jahr taghell erleuchtet sein.

Es ist nicht zu fassen! Für so eine “Gefängnisstadt“ soll der Platz vor der Neckarburg der „bestmögliche“ sein? Die Erhaltung des schönsten Rottweiler Naherholungsgebietes - kein Thema? Das Naturschutzgebiet und das Landschafts-schutzgebiet nebenan - kein Thema?

Ich wünsche mir Gemeinderäte, denen unsere Lebensqualität und die unsere Kinder und Enkel um ein Vielfaches wichtiger ist als ein paar (erhoffte) Mehreinnahmen in der Stadtkasse oder gar persönliche Vorteile. Eine Grundvoraussetzung für meinen Respekt und meine Wählerstimme. Sollte es wider Erwarten von dieser Spezies zu wenig in unserem Gemeinderat geben, dann hoffe ich auf kräftigen Gegenwind aus allen Teilen der Bevölkerung gegen den schlimmsten aller möglichen Standorte für das Grossgefängnis im Raum Rottweil, im Esch vor der Neckarburg.

Wolfgang Blässing, Rottweil

Großgefängnis auf der Gemarkung Rottweil

Die Befürworter eines Großgefängnisses auf der Gemarkung Rottweil suchen händeringend nach brauchbaren Argumenten, insbesondere seit von den von der Stadt und zwei Privatanbietern angebotenen Standorten bei der Landesregierung nur noch der scheinbar mögliche Standort Esch am Rande der Rottweiler Gemarkung übriggeblieben ist.

Auf der Satellitenaufnahme, die am Samstag im Schwarzwälder Bote als Illustration des Artikels "Broß will einen Bürgerentscheid" veröffentlicht wurde, möchte die Stadt Rottweil für die Sitzung des Gemeinderates die Entfernungen vom Esch zu den Nachbargemeinden darstellen. Da das Rottweiler Straßenkreuz nur 2,2, km entfernt ist, soll suggeriert werden, dass nur die Rottweiler Bürger darüber zu entscheiden haben, ob auf das mit einem Kringel markierte Esch ein Großgefängnis gebaut werden darf. Der Oberbürgermeister und seine Mitstreiter (u.a. Herr Bürk, ein verdienter, ehemaliger "Chef" des Stadjugendrings, der mitverantwortlich half vor knapp vierzig Jahren die Neckarburg in ihrem heutigen Erscheinungsbild zu sanieren) hoffen darauf, dass auch die nicht am Staßenkreuz ansässigen Rottweiler mehrheitlich für dieses  Unterfangen stimmen, egal, ob sie 2,7 oder 2,9 oder vielleicht 5 km vom Esch entfernt wohnen.

Jedenfalls werden alle anderen aus den umliegenden Gemeinden nichts zu sagen haben ... bei diesem Bürgerentscheid! Denn sonst haben wir Anlieger aus den Umlandgemeinden schon jede Menge zu sagen, öffentlich, in Leserbriefen oder im privaten Gespräch. Aber die Argumente scheinen inzwischen vollständig ausgetauscht und interessieren nicht mehr. Es geht nur noch um die Macht und das Geschick, es auch durchzusetzen in Rottweil, dieses mächtige und immer leuchtende Monstrum und das nun endlich, weil nichts anderes mehr bleibt, auf dem Esch!

Luftaufnahme Esch mit den beiden Umlaufbergen

Aber wer sehend diese Satellitenaufnahme anschaut, bemerkt, dass das Esch ein Stück unberührte Kultur- und Naturlandschaft ist, eingebettet wie in einem Nest aus Wäldern, Neckarschleifen, Naturschutzgebiet und FFH-Schutzgebiet. Wer das bebauen will, aus welchen Gründen auch immer, muss blind sein für die Welt die ihn umgibt und zu der er gehört, bis er sie wieder verlässt und sowas vielleicht hinterlässt! Ein solches Vorhaben zu realisieren auch noch unter Führung eines grünen Ministerpräsidenten (vielleicht dem einzigen, den es  jemals in Deutschland für ein paar Jahre gab), mutet geradezu grotesk an!

Karl-Heinz Richter, Villingendorf

(Luftaufnahme: LGL, www.lgl-bw.de)